Statement

Für alle die auch mit dem Gedanken spielen ihren Zivildienst beim Rettungsdienst abzuleisten oder dort fest zu arbeiten, denen kann ich dies nur empfehlen. Mir hat diese Zeit sehr viel gebracht, in den insgesamt anderthalb Jahren, hatte ich sehr viel Spaß, habe viele nette Kollegen und Kolleginnen kennengelernt und sehr gut mit Ihnen zusammengearbeitet. Des weiteren war es auch immer wieder schön, wenn man anderen Menschen helfen konnten und merkte wie diese Hilfe auch ankam. Trotz allem ist dieser Job natürlich nicht leicht:

Zum einem steht am Anfang die recht lange Ausbildung (im Gegensatz zu anderen Zivildienststellen). Vor allen Dingen wenn man gerade aus der Schule kommt und froh ist, sie hinter sich zu haben, muß man sich erst mal motivieren gleich wieder 4 Wochen ganze Tage dort hinzugehen und richtig viel zu lernen. Denn gerade der theoretische Unterricht ist sehr komplex und umfangreich. Da in 4 Wochen sehr viele Themen behandelt werden müssen, werden diese sehr schnell abgehandelt. So hat man z.B. nur einen halben Tag für ein Thema was es unerläßlich macht, es Abends noch mal zu Hause zu wieder holen !
Und auch an das Klinikpraktikum, d.h. besonders an die Dienstzeiten (Früh/Spät) im Krankenhaus muß man sich erstmal gewöhnen.

Und wenn man dann nach gut 3 Monaten mit der Ausbildung fertig ist und dann Einsätze fährt, erlebt man leider nicht nur schöne Einsätze bei denen man leicht helfen kann, sondern auch  zum Teil recht schlimme Fälle wie Verkehrsunfälle mit Kindern, Polytraumen (Schwerstverletzte)! Aber ich finde darauf wird man gut genug vorbereitet und man gewöhnt sich traurigerweise daran.

Was auch sehr ungewohnt ist, ist das man ständig bereit sein muß einen Einsatz zu fahren. Denn unsere kleinen Meldeempfänger tragen wir 24-Stunden am Gürtel, selbstverständlich auch Nachts. Und jeden Moment muß man damit rechnen alarmiert zu werden. In der ersten Zeit war ich dadurch immer etwas unruhig, vor allen Dingen Nachts konnte ich nie tief & fest schlafen doch auch daran gewöhnt man sich mit der Zeit....

Letztendlich gab es in fast jeder Schicht irgendwas besonderes, was mir Spaß gemacht hat oder eine ganz besondere Erfahrung war, sei es ein besonderer Einsatz oder einfach nur Spaß mit den Kollegen.
Aber zwei Schichten sind mir noch in besonders guter Erinnerung, da sie an zwei besonderen Tage lagen. Zum einen war es der 25. Dezember. Wohl zum ersten Mal mußte ich am 1. Weihnachtstag um 6 Uhr aufstehen und dann bei sehr schönem, kaltem Winterwetter zur Arbeit fahren. Über Nacht hatte es noch geschneit und die Straßen waren noch nicht geräumt. Kurz nachdem ich dort angekommen war, hatte die Weihnachtliche Ruhe aber schon ein Ende und im gesamten Einsatzgebiet war sehr viel los. Fast alle Fahrzeuge rückten zu Einsätzen aus und waren am Funk zu hören, und das schon um 9 Uhr morgens, am 1. Weihnachtstag. Auch unsere ersten Einsätze verliefen nicht wie immer: Unser erster Patient hatte einen Herzinfarkt und somit war das etwas weiter entfernte NEF auch alarmiert. Auf Grund der schlechten Bedingungen auf den Straßen mußten wir allerdings einige Minuten auf den Notarzt waren, was dazu führte das wir einige Maßnahmen ausführen mußten, die sonst der Notarzt gemacht hätte. Als wir dann einsatzmäßig, d.h. mit Blaulicht und Martinshorn ins Krankenhaus fahren wollten, bemerkten wir das ein Ton von unserem Horn eingefroren war....
Auch die restlichen 24h verliefen ähnlich, wir hatten sehr viel zu tun, halfen auch mal in der benachbarten Stadt aus und erlebten somit mal ein ganz anderes Weihnachtsfest.

Die zweite Schicht war Silvester. Tagsüber merkte man keinen Unterschied zu sonst, aber Abends war es dann doch anders. Man saß nicht wie sonst mit Freunden beim Essen zusammen oder feierte, sondern saß vorm Fernseher, schaute Silvestersendungen und wartete auf einen Einsatz. Die Ausstattung des RTW hatten wir um ein paar Raketen, Feuerwerkskörper, Berliner und Orangensaft erweitert (Sekt scheidet aus verständlichen Gründen ja aus), denn man weiß ja nie wo man sich zum Jahreswechsel gerade aufhält. Wir waren allerdins um 00.00 Uhr nicht im Einsatz und konnten somit an der Wache auf das neue Jahr anstoßen und unser Feuerwerk abbrennen.
Interessant fand ich auch, was zu dieser Zeit am Funk los war. Es wurden Neujahrsgrüße zwischen den Wachen, Fahrzeugen und der Leitstelle ausgetauscht, Kollegen gegrüßt und natürlich auch Einsätze gemanaget....
Kurz nach Zwölf mußten auch wir dann wieder zu einem Notfall ausrücken. Auch dieses war einmal ein ganz anderes, aber auch schönes, interessantes Silvester.

Das waren unter anderem zwei Schichten, an die ich mich immer wieder gerne erinnere.....
 

Ich finde es sind halt diese normalen, alltäglichen Dinge, die man dann mal in einer ganz anderen Situation und anderen Bedingungen (z.B. der Möglichkeit jeden Moment alarmiert zu werden) erlebt. Auch wenn viele verständlicherweise nicht gerne an solchen Tagen arbeiten, einmal so etwas zu erleben ist sehr interessant!
 

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